Süddeutsche-Artikel: „Die USA sind noch lange nicht zum Aufstand gegen Trump bereit“

Süddeutsche-Artikel: „Die USA sind noch lange nicht zum Aufstand gegen Trump bereit“ vom 13.07.2017. Weiter zur Originalnachricht…

Warum ist das Bad News?

Willkommen im postfaktischen Zeitalter, in dem Spekulationen und nicht bestätigte Anfangsverdachte die Grundlage für die Erfindungen der Leitmedien bilden.

Im Folgenden lege ich dar, dass die angebliche Beweiskette für eine Verschwörung zwischen Donald Trump und dem Kreml, welche die Süddeutsche in ihrem Artikel präsentiert, in Wirklichkeit eine Smoking Gun für die bewusste Desinformation und Manipulation der Zeitung sowie anderer westlicher Leitmedien ist. Die Motivation für diese Analyse ist nicht meine Sympathie für Donald Trump, mit dessen politischen Positionen ich mich nicht identifiziere, sondern die Aufdeckung einer Propaganda durch westliche Leitmedien, die ich für antidemokratisch, kriegstreiberisch und unethisch im Sinne des Pressekodex halte.

Um die Hintergründe der Beweiskette für eine Verschwörung zwischen Trump und dem Kreml im Artikel der Süddeutschen zu verstehen, bedarf es der grundsätzlichen Kenntnis dreier Vorgänge.

1. Die Wikileaks-Veröffentlichung von E-Mails aus Clintons Wahlkampfteam
Im März 2016 soll der E-Mail-Account von Hillary Clintons Wahlkampfmanager John Podesta gehackt worden sein. Dieser Hack soll mithilfe einer simplen Phishing-E-Mail, die an Podesta geschickt worden sein soll, durchgeführt worden sein. Für den Einbruch hat sich ein Hacker mit dem Pseudonym „Guccifer 2.0“ verantwortlich gezeichnet. Cybersecurity-Firmen wie CrowdStrike behaupten, dass die Person dieses Hackers von Russland kreiert worden sein soll und dass hinter dem Hack die Cyber-Spionage-Gruppe Fancy Bear stecken soll, auch bekannt als Sofacy Group, ATP28, Pawn Storm, Sednit und STRONTIUM, welche in Verbindung mit russischen Geheimdiensten stehen soll. Dafür gibt es jedoch keinen einzigen Beweis, sondern nur Indizien wie falsch buchstabierte Domain-Namen, die Ziele der angeblichen Angriffe sowie deren Zeitstempel, die dem europäischen Teil Russlands entsprechen. Das Problematische an diesen Information ist, dass sie nicht von offiziellen Strafverfolgungsbehörden stammen, sondern von privaten Firmen wie Crowdstrike, die für die Geschädigten – in diesem Fall die Demokratische Partei der USA – arbeiten.

Auf Basis der Fakten muss man also davon ausgehen, dass die Täter der Attacke bis heute unbekannt sind. Leider berichten Leitmedien ebenso wie Wikipedia-Einträge, deren mangelnde Glaubhaftigkeit man selbst mit der Überprüfung der jeweiligen Versionsgeschichte entlarven kann, von den angeblichen Hacks der Gruppe Fancy Bear sowie deren Verbindung zu russischen Geheimdiensten, als basierten ihre Informationen auf Tatsachen. Dass es noch ganze andere Spuren hinter den gestohlenen E-Mails Podestas gibt, wie zum Beispiel die Hintergründe des Mordes an einem jungen Mitarbeiter des Wahlkampfteams der Demokratischen Partei, verschweigt die Leitmedienpresse in Deutschland (https://www.heise.de/tp/features/US-Wahlkampf-Leaks-Neue-Spur-3715256.html). Am 07.10.2016 begann Wikileaks damit, die gestohlenen 44.053 E-Mails und 17.761 Attachments aus John Podestas Account zu veröffentlichen. Bis heute hat Wikileaks-Gründer Julian Assange deren Quelle nicht genannt und bestritten, dass Russland dahintersteckt.

2. Das Donald Trump-Russland Dossier
Das 35-seitige Dokument, auf das sich die amerikanischen Geheimdienste ebenso wie die gesamten westlichen Leitmedien hauptsächlich stützen, wenn sie behaupten, dass eine Verschwörung zwischen Donald Trump und dem Kreml existiert, wurde ursprünglich von der Republikanischen Partei der USA finanziert. Sie beauftragte den ehemaligen MI6-Agenten Christopher Steele, eine Schmutzakte gegen Donald Trump anzufertigen, um den Kandidaten Trump, den die Partei verhindern wollte, in den Vorwahlen zu schädigen. Da die Behauptungen in dem Dossier allesamt nicht überprüfbar sind und keine einzige Quelle beim Namen genannt wird, biss die Presse zu dem damaligen Zeitpunkt nicht an. Erst als Trump die Vorwahlen gewonnen hatte, das Papier an die Demokratische Partei weitergereicht wurde und die US-Geheimdienste die Behauptungen darin für wahrhaftig erklärt hatten, wurden die nicht bewiesenen Anschuldigungen auch von den Leitmedien verbreitet. Sämtliche Untersuchungen durch die US-Geheimdienste und das FBI haben bis heute keine Beweise geliefert, welche die Behauptungen in dem Dossier belegen. Trotzdem wird davon in den Leitmedien berichtet, als handele es sich um eine Smoking Gun. Es lohnt sich, das Dokument im Original zu lesen, um zu verstehen, in welchem Maße die westlichen Leitmedien ihr Publikum desinformieren und manipulieren: https://www.documentcloud.org/documents/3259984-Trump-Intelligence-Allegations.html.

3. Das Treffen zwischen Jared Kushner, Paul Manafort, Donald Trump Jr. und der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja
Am 09.06.2016 trafen sich Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Trumps Sohn Donald Trump Jr. in New York mit der russischen Anwältin und ehemaligen Staatsanwältin Natalia Weselnizkaja, die angeblich Kontakte zum russischen Geheimdienst haben soll, was nicht nachprüfbar ist. Weselnizkaja soll angeblich belastende Information über Hillary Clinton angeboten haben, was auch nicht überprüfbar ist. Denn alles, was wir von dem Treffen wissen, stammt von der Aussage von Trump Jr., der berichtete, man habe hauptsächlich über das russische Verbot für US-Bürger, russische Kinder zu adoptieren, gesprochen, obwohl er ursprünglich erwartet hatte, Informationen über Hillary Clinton zu erhalten.

Fazit
Die so genannte Beweiskette der Süddeutschen stützt sich also auf Anfangsverdachte, die sich auch nach intensiven Untersuchungen durch die US-Geheimdienste und das FBI nicht erhärtet haben, sowie auf Spekulationen und Vermutungen. Um trotzdem den Anschein einer geschlossenen kausalen Kette zu vermitteln, veröffentlicht die Süddeutsche in dem Artikel eine Grafik mit den zentralen Personen des Wahlkampf- und Beraterteams Trumps. Zur Vollständigkeit habe ich weiter unten Details zu diesen Personen recherchiert. Die Informationen, die in der Grafik enthalten sind, sind mit einigen Auslassungen allesamt korrekt. Ihr Gehalt gibt jedoch nur wieder, dass einige Berater Trumps sowie der Justizminister Kontakte zur russischen Regierung haben, was absolut nichts Ungewöhnliches ist. Auch die deutsche Bundesregierung rühmt sich damit, gute Kontakte zum Kreml zu pflegen. Es ist also bewusst falsch, irreführend und desinformierend von der Süddeutschen sowie anderen deutschen Leitmedien, von Beweisen einer Verschwörung zwischen Donald Trump und dem Kreml zu berichten. Die deutschen sowie die US-amerikanischen Leitmedien haben diese Verschwörung erfunden und müssen daher in diesem Fall als unglaubwürdig sowie als Verbreiter von Fake News angesehen werden.

Über die Motivation für die Falschinformation lässt sich nur spekulieren. Betrachtet man die Eigentumsverhältnisse der deutschen Leitmedien, die zu großen Teilen wenigen Milliardären gehören, sowie die enge Einbindung dieser Medien in transatlantische Lobbyorganisationen, zeichnet sich ein Bild, das eine eindeutige und gleichgeschaltete Propaganda für das aggressive militärische Vorgehen einer elitären Oberschicht der USA, die Aufrechterhaltung des Feindbilds Russland sowie die Absetzung des von dieser Elite unerwünschten Präsidenten Donald Trump vermuten lässt.

Details zu einigen, in der „Beweiskette“ genannten Personen
Carter Page: Außenpolitischer Berater Trumps im Wahlkampf. War Vizepräsident des Moskauer Büros der Investment Bank Merrill Lynch und an geschäftlichen Transaktionen mit russischen Energiefirmen beteiligt. Geriet wegen des Donald Trump-Russland Dossiers von Christopher Steele unter Verdacht, Teil einer Verschwörung zwischen Trump und dem Kreml zu sein. In dem Dossier wird er namentlich auf Seite 7, vorletzter Absatz genannt. Quelle E, ein Russe, der Trump nahestehen soll, hätte die verschwörerischen Tätigkeiten bestätigt. Auf Seite 9 des Dossiers wird behauptet, eine russische Quelle könnte bestätigen, Page hätte an geheimen Treffen in Moskau teilgenommen, in denen über zukünftige Kooperationen im Energiesektor, über die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland sowie über belastendes Material gegen Hillary Clinton und auch gegen Trump gesprochen wurde. Trotz der Überwachung der Kommunikation von Page durch das FBI konnten sämtliche Anschuldigungen aus dem Dossier bis heute nicht bestätigt werden.

Roger Stone: Berater Trumps im Wahlkampf. Soll aufgrund von Andeutungen im Voraus von der Veröffentlichung der gehackten E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfteam durch Wikileaks gewusst haben. Mit dem Wissen, dass bereits vor Wikileaks Veröffentlichungen der E-Mails z.B. durch Guccifer 2.0 stattgefunden haben, relativiert sich diese Vermutung.

Paul Manafort: Wahlkampfmanager der republikanischen Präsidentschaftskandidaten Gerald Ford, Ronald Reagan, George H. Bush, Bob Dole und Donald Trump. Als Manaforts Verbindungen zum ehemaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch zu einem Thema der Öffentlichkeit in den USA während des Wahlkampf Trumps wurde, trat er als Wahlkampfmanager zurück. Wird namentlich im Donald Trump-Russland Dossier von Christopher Steele auf Seite 7, vorletzter Absatz genannt als Teil einer Verschwörung zwischen Trump und der russischen Führung. Sämtliche Untersuchungen gegen ihn durch das FBI haben bisher keine Ergebnisse geliefert.

Michael Cohen: Anwalt von Donald Trump. Mitglied der Demokratischen Partei und zunächst für Obama. Enttäuscht von der Politik Obamas unterstützte er Trumps Präsidentschaftskandidatur und wurde er am 09.03.2017 Mitglied der Republikaner. Wird in Steeles Dossier namentlich auf Seite 18 benannt. Laut Steele soll er sich im August 2016 mit Vertretern des Kremls in Prag getroffen haben, was Cohen bestreitet. Die Ermittlungen gegen ihn haben bisher keine Beweise geliefert, dass die Behauptungen in dem Dossier wahrhaftig sind.

Jeffrey Gordon: Sicherheitsberater von Trump und Mitglied seines Wahlkampfteams. Traf den russischen Botschafter in den USA Sergej Kisljak, um über bessere Beziehungen zwischen den USA und Russland zu sprechen.

Jeff Sessions: US-Justizminister. Traf sich nach eigenen Aussagen zwei Mal als Senator mit dem russischen Botschafter Kisljak, um über die Ukraine und Terrorismus zu sprechen. Hat vor dem Senat ausgesagt, sich nicht mit Kisljak getroffen zu haben, um über den US-Wahlkampf zu sprechen.

Jared Kushner: Schwiegersohn und offizieller Berater von Donald Trump. War der Kopf der Wahlkampfkampagne von Trump. Hat sich mit dem russischen Botschafter Kisljak und der russischen Anwältin Weselnizkaja getroffen.

Michael Flynn: Pensionierter Generalleutnant der US Army. War Sicherheitsberater von Trump. Setzt sich für bessere Beziehungen mit Russland ein und kritisiert den Drohnenkrieg der USA, da er nur Öl ins Feuer des Terrorismus gieße. Hat mit dem russischen Botschaft Kisljak über die Sanktionen gegen Russland gesprochen und dies zunächst bestritten. Weil man ihm die Gespräche später nachweisen konnte, musste er als Sicherheitsberater zurücktreten. Gegen ihn läuft in den USA ein Verfahren, weil er für einen Auftritt für RT (Russia Today) 45.000 Dollar erhalten hat.

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