Spiegel-Kolumne: „Gefälschte Leaks: So funktioniert digitale Desinformation“

Spiegel-Kolumne: „Gefälschte Leaks: So funktioniert digitale Desinformation“ vom 28.05.2017. Weiter zur Originalnachricht…

Warum ist das Bad News?

In seiner Kolumne berichtet der Autor von gezielten Desinformationskampagnen und schreibt:

Gefährlich ist diese Entwicklung nicht nur für Berichterstatter und die unmittelbaren Opfer der Desinformation. Studien zeigen nämlich, dass einmal erfolgte Desinformation unter Umständen auch dann nachwirkt, wenn sie vollständig entkräftet worden ist. Die Entkräftung kann sogar dazu führen, dass ein Gerücht noch eher als korrekt erinnert wird – einfach, weil es aufgrund der Wiederholung einfacher wird, sich an das Gerücht zu erinnern (…). Bei Menschen, die Verschwörungstheorien zuneigen, gibt es sogar Hinweise, dass sie sich noch stärker ihren Echokammern zuwenden, wenn sie mit Richtigstellungen konfrontiert werden.

Damit beschreibt er genau den Effekt, den die Berichterstattung in sämtlichen deutschen Leitmedien über eine angebliche Beeinflussung westlicher Politik durch die russische Regierung hat. Denn diese ist aufgrund mangelnder Beweise eine reine Verschwörungstheorie. Selbst das Ergebnis einer einjährigen Untersuchung des BND und des Verfassungsschutzes zu der Frage, ob die russische Regierung gezielt versucht, die öffentliche Meinung in Deutschland zu manipulieren, kann dieses Gerücht nicht entkräften (siehe Tagesschau-Bericht vom 06.02.2017).

Statt Vernunft walten zu lassen, werden weiter im Staccato-Takt angebliche Smoking Guns präsentiert, welche die russische Einflussnahme auf westliche Politik „nachweisen“ sollen. Die Unsicherheit der Verfasser dieser Schein-Nachrichten angesichts der mangelnden Beweise manifestiert sich in der auffälligen Verwendung von Spekulationsbegriffen wie „augenscheinlich“, „offenbar“, „offensichtlich“, „wohl“ oder „vermutlich“. Hauptanker der andauernden Desinformationskampagne ist ein US-amerikanischer Geheimdienstbericht, der jedoch auf einem Zirkelschluss beruht: Er bestätigt zwar die massive Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahlen Ende 2016 durch die russische Regierung, nennt aber weder Belege noch Quellen, da man sonst zukünftig keine weiteren geheimen Daten erheben könne. Solange die Beweise fehlen, liefert der Bericht jedoch keine Fakten, sondern nur eine Verschwörungstheorie.

Leider reiht sich die vorliegende Spiegel-Kolumne in die andauernde Desinformationskampagne deutscher Leitmedien über eine angeblich gezielte russische Desinformationskampagne ein. Auch sie verwendet Spekulationsbegriffe und stützt sich auf die Beweisführung eines „sehr lesenswerten Berichtes“, dessen Beweise bei genauerem Hinsehen jedoch wiederum nur auf einem Zirkelschluss beruhen: die Gemeinsamkeiten von Indizien mit anderen Berichten wie denen von US-amerikanischen Geheimdiensten.

Bei der ganzen Spekulation über eine angebliche russische Manipulation westlicher Politik fragt man sich als Medienkonsument, wieso eigentlich in deutschen Leitmedien nicht über eine gezielte Beeinflussung europäischer Politik durch die US-Regierung berichtet wird. Denn statt zweifelhafter Indizien auf Basis von Zirkelschlüssen gibt es hierfür handfeste Beweise. Das Ausspionieren und Hacken von E-Mail-Accounts und Telefongesprächen bis hin zur deutschen Kanzlerin sind seit den Enthüllungen von Edward Snowden ein Fakt, genauso wie die gezielte Beeinflussung deutscher Politiker über transatlantische Think Tanks und Lobby-Organisationen wie die Atlantik-Brücke, die Münchner Sicherheitskonferenz oder die Bilderberger Konferenz. Eigentlich beantwortet sich die Frage von selbst, wenn man weiß, dass die Herausgeber und Top-Journalisten deutscher Leitmedien in ebendiesen Organisation vertreten sind.

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