Süddeutsche-Artikel: „Julian Assange fordert bedingungslose Transparenz – aber nur von anderen“

Süddeutsche-Artikel: „Julian Assange fordert bedingungslose Transparenz – aber nur von anderen“ vom 19.05.2017. Weiter zur Originalnachricht…

Warum ist das Bad News?

Die schwedische Staatsanwalt stellt die Ermittlungen gegen Julian Assange wegen zweifelhaften Vergewaltigungsvorwürfen von zwei Frauen ein, und die Süddeutsche nutzt die Gelegenheit, um die Arbeit des Wikileaks-Gründers zu kritisieren. Zwei Punkte wirft sie ihm vor:

  1. Durch die bedingungslose Transparenz der Enthüllungen würden auch Unschuldige oder Unbeteiligte blamiert oder sogar gefährdet.
  2. Es sei der Verdacht gewachsen, dass Assange, bewusst oder unbewusst, entweder anderen Herren dient oder sich selbst als Königsmacher aufspielt.

zu 1.) Würde Wikileaks die Enthüllungen zensieren, würde man der Plattform sofort Intransparenz vorwerfen. Bestimmt wäre die Süddeutsche ganz vorne mit dabei. Jede Wette.

zu 2.) Diese reine Spekulation soll die Vermutung weiter anheizen, dass Russland hinter dem Leak der E-Mails des Clinton-Wahlkampfteams stehen soll. Dass es mittlerweile auch ganz andere Spuren zur Quelle dieses Leaks gibt, verschweigt die Süddeutsche dreist.

Kein Wort verliert der Autor des Artikels darüber, dass Wikileaks die Quellen der Enthüllungen schützt, um diese vor politischer Strafverfolgung in ihren Ländern zu bewahren. Diese bewusste Intransparenz sowie das Enthüllen sensibler Daten zur Befriedigung des Informationsbedürfnisses der Öffentlichkeit entsprechen eindeutig der Ziffer 5 des Pressekodex vom deutschen Presserat. Die Kritik der Süddeutschen an der Intransparenz von Wikileaks und seinem Gründer ist also im Sinne dieses Kodexes nicht angebracht.

Was einem Whistleblower passieren kann, ist eindrucksvoll am Schicksal von Chelsea Manning zu erkennen. Es ist mit gesundem Menschenverstand absolut nachvollziehbar, warum Julian Assange sich angesichts derart drakonischer Strafen weiterhin der britischen Justiz entzieht. Die Gefahr einer Auslieferung in die USA ist durchaus real.

Am liebsten hätte das Journal es, wenn Wikileaks die Enthüllungen zuerst der Süddeutschen zukommen lassen würde. Dann könnte diese die Enthüllungen so zensieren, dass sie dem eigenen Lager nicht schaden. Bei der Veröffentlichung der Panama-Papers, welche von einem Whistleblower der Süddeutschen zugespielt wurden, fiel auf, dass die Offshore-Stiftung Mossack Fonseca kaum nennenswerte Kunden aus den USA gehabt haben soll. Da die Süddeutsche die Originaldaten der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stellt und selbst intransparent im Sinne der Vorenthaltung von Daten arbeitet, ist der Verdacht der einseitigen Zensur bis heute nicht ausgeräumt.

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