FAZ-Artikel: „Goldman Sachs und Bank of America verdienen prächtig“

FAZ-Artikel: „Goldman Sachs und Bank of America verdienen prächtig“ vom 18.04.2017. Weiter zur Originalnachricht…

Warum ist das Bad News?

Goldman Sachs verdoppelte im ersten Quartal 2017 seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,3 Milliarden Dollar. Weil der Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen jedoch lediglich stabil blieb, fiel der Wert der Goldman-Aktie um 3,5 %. Die Bank of America steigerte im selben Zeitraum ihren Gewinn um 40 % auf 4,9 Milliarden Dollar. Weil sie damit über den Erwartungen der Analysten lag, stieg die Aktie um 1 %.

Was will uns die Nachricht der FAZ sagen? Goldman Sachs und der Bank of America geht es gut, und das ist auch gut so. Darf man dies einfach so stehenlassen?

Goldman Sachs hat in 2016 einen Gewinn von 7 Milliarden Dollar verzeichnet, die Bank of America 16,2 Milliarden Dollar. In dieser Größenordnung liegt der summierte Gewinn der beiden Banken auf einer Höhe mit dem Staatshaushalt von Pakistan, ein Land mit einer Bevölkerung von 182 Millionen Menschen. Der Gewinn aller US-Banken in 2016 betrug 171,9 Milliarden Dollar. Dieser Wert liegt 10 Milliarden Dollar über dem Staatshaushalt von Russland. Allein die US-amerikanischen Banken verdienen also mehr Geld, als der Staat Russland ausgibt.

Wo kommt dieser immense Gewinn eigentlich her? Da Investment-Banken nichts produzieren, kann er nicht aus ehrlicher Arbeit kommen. Die Geschäftsfelder von Investment-Banken sind, einfach zusammengefasst:

  • Aktien- und Derivatehandel
  • Geldverleih an Großunternehmen
  • Vermögensverwaltung in Form von Fonds
  • Finanzberatung bei Fusionen, Übernahmen und Privatisierung von Unternehmen der öffentlichen Hand

Einen Überblick über die Machenschaften von einer Investment-Bank wie Goldman Sachs bei der FAZ kann man nicht erwarten. Da sind Seiten wie die Lobbypedia deutlich informativer: https://lobbypedia.de/wiki/Goldman_Sachs

Dort erfährt man unter anderem, dass die Bank 2010 mit dem Negativ-Preis „Worst EU Lobby Award“ ausgezeichnet wurde, weil sie aggressives Lobbying gegen die Regulierung von Finanzderivaten betrieben hat. Faule Finanzderivate waren der Auslöser für die Bankenkrise in 2008 gewesen, in der Goldman Sachs mehr verdient als verloren hat. Das Unternehmen muss sich mit unzähligen juristischen Verfahren wegen Betrug und Falschberatung auseinandersetzen.

Inwieweit das Unternehmen die internationale Politik mitbestimmt, kann man allein daran erkennen, welche ehemaligen Mitarbeiter in Top-Positionen wiederzufinden sind, bzw. welche Politiker nach ihrem Amt zu Goldman Sachs gewechselt sind. Hier eine Auswahl:

  • José Manuel Barroso: ehemaliger EU-Kommissionspräsident, 2016 zu Goldman Sachs gewechselt
  • Mario Draghi: Präsident der Europäischen Zentralbank, zuvor bei Goldman Sachs beschäftigt
  • Mario Monti: ehemaliger Regierungschef Italiens, war zuvor Berater von Goldman Sachs
  • Henry Paulson: ehemaliger US-Finanzminister, war zuvor Aufsichtsratsvorsitzender von Goldman Sachs

Wenn es Banken wie Goldman Sachs oder der Bank of America gut geht, dann ist das eben kein gutes Zeichen, sondern Anlass zur Sorge vor einer nächsten Banken- oder Finanzkrise, zunehmenden Einfluss auf die Politik zugunsten des Neoliberalismus sowie Firmenübernahmen, Fusionen und Privatisierungen, bei denen unzählige Arbeitsplätze vernichtet werden.

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