Süddeutsche-Interview: „Einmischungsversuche in Wahlen werden oft unterschätzt“

Süddeutsche-Interview: „Einmischungsversuche in Wahlen werden oft unterschätzt: Russen und Amerikaner haben immer wieder versucht, fremde Wahlen zu beeinflussen. Auch in Deutschland. Wissenschaftler Dov H. Levin erklärt, warum das keiner weiß.“ vom 23.02.2017. Weiter zur Originalnachricht…

Warum ist das Bad News?

In den Leitmedien findet man nicht nur ausschließlich faktenfreie Beeinflussungen der Leserschaft zugunsten der Ziele der expansionistischen NATO. Hin und wieder stößt man auf Nachrichten wie dieses Interview, welches mit Fakten und neutralen Hintergrundinformationen aufwartet. Doch die fehlende Frage, ob es tatsächlich Beweise für eine aktuelle Einmischung der russischen Regierung gibt, ein zusätzliches Textfenster, das auf die mangelnde Ausstattung einer EU-Task Force zur Abwehr von Einmischungen in westeuropäische Wahlen hinweist, sowie der Link am Ende des Interviews zum vollkommen faktenfreien Propagandaartikel zur angeblichen Einmischung Russlands in die französischen Wahlen trüben diesen anfänglich positiven Eindruck erheblich. Man bekommt den Eindruck, die Süddeutsche will einer neutralen, wissenschaftlichen Berichterstattung einen Drall geben in Richtung der in anderen, fast täglich erscheinenden Artikeln formulierten These, Russland wäre für den Aufstieg der rechten Parteien in Europa verantwortlich, für die sich jedoch einfach keine Beweise finden lassen.

Was ist der Erkenntnisgewinn dieses Interviews mit einem amerikanischen Politikwissenschaftler?

  • Einmischungen in Wahlen hat es in der Vergangenheit sowohl von russischer wie von US-amerikanischer Seite gegeben.
  • Die dreisteste Einmischung war die der USA 1996 in den Präsidentschaftswahlkampf in Russland.
  • Einmischungsversuche in Wahlen werden oft unterschätzt. Die Einmischungsversuche Russlands in den US-Wahlkampf 2016 werden jedoch in den amerikanischen Medien fälschlicherweise als außergewöhnlich und als eine Aktion von beispiellosem Ausmaß dargestellt.
  • Es gibt keine eindeutigen Beweise, dass sich die Nachrichtenportale Russia Today oder Sputniknews in den deutschen Bundestagswahlkampf einmischen.

Warum platziert die Süddeutsche dann mitten in den Text des Interviews ein Textfenster mit der Information, die EU-Arbeitsgruppe warnt schon seit Monaten vor möglicher russischer Einflussnahme auf die Wahlen in Frankreich, aber auch in den Niederlanden und Deutschland? Wie passt das mit den Kernaussagen des Interviews zusammen und wieso warnt die Arbeitsgruppe nicht vor einer US-amerikanischen Einflussnahme? Die Brücke wird über den Titel gebaut: „Einmischungsversuche in Wahlen werden oft unterschätzt“. Diese Aussage des Politikwissenschaftlers im Interview wird aus dem Zusammenhang gerissen und mit den Warnungen der EU-Task Force verknüpft.

Die Verknüpfung von neutralen Hintergrundinformationen mit tendenziösen, nicht belegten Thesen ist keine gute journalistische Arbeit, sondern ein weiterer Hinweis darauf, dass die Süddeutsche Propaganda für die NATO und gegen Russland betreibt.

Anmerkung: Der Untertitel des Interviews lautete ursprünglich: „Russen und Amerikaner haben immer wieder versucht, fremde Wahlen zu beeinflussen. Auch in Deutschland. Wissenschaftler Dov H. Levin erklärt, warum das keiner weiß.“ Im Laufe des 23. Februars wurde er geändert zu: „Russen und Amerikaner haben immer wieder versucht, fremde Wahlen zu beeinflussen. Auch in Deutschland. Wissenschaftler Dov H. Levin erklärt die Hintergründe.“ Vermutlich hat der verantwortliche Redakteur bemerkt, dass im Interview nirgendwo erklärt wird, warum keiner weiß, dass Russen und Amerikaner immer wieder versucht haben, fremde Wahlen zu beeinflussen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.