FAZ-Gastbeitrag: „Münchner Sicherheitskonferenz: Als Moralapostel droht Deutschland zu zerreißen“

FAZ-Gastbeitrag: „Münchner Sicherheitskonferenz: Als Moralapostel droht Deutschland zu zerreißen“ vom 17.02.2017: Deutschlands neurotisches Bestreben, am Ende jedes Vorhabens „moralisch sauber“ dazustehen, durchzieht alle außenpolitischen Debatten. Das kann unsere Existenz gefährden. Es ist Zeit, erwachsen zu werden. Weiter zur Originalnachricht…

Warum ist das Bad News?

Für den Kommentar von Jan Techau, dem Direktor des Richard C. Holbrooke Forum for the Study of Diplomacy and Governance an der American Academy in Berlin, müsste man als Steigerung der Bezeichnungen „Bad News“ und „Very bad News“ die Kategorie „Sick News“ einführen. Mit der Kernaussage, dass man sich moralische Grundhaltungen in der Außenpolitik nicht leisten könne, fordert der Beitrag die Deutschen dazu auf, sich für ein erhöhtes militärisches Engagement im Ausland zu entscheiden, ohne sich zu sehr Sorgen um die moralischen Konsequenzen zu machen.

Damit reiht sich der Artikel ein in die breite Front von Veröffentlichungen im Rahmen der Berichterstattung zur Münchner Sicherheitskonferenz in sämtlichen deutschen Leitmedien, welche für eine Erhöhung des Rüstungsetats in den europäischen Haushalten plädieren. Einzig die kritischen Äußerungen zu den Aufrüstungsplänen von Gregor Gysi in der Zeit vom 17.02.2017 sticht als Ausnahme in dieser Front heraus. Doch dass ausgerechnet die Zeit einen solchen Beitrag neben ihren fast täglichen Behauptungen, Russland stelle eine Gefährdung der westlichen Wertegemeinschaft dar, einen derartigen Beitrag veröffentlicht, muss man als den Versuch werten, den Schein einer neutralen Berichterstattung zu wahren. Man kann jedoch nicht von Neutralität sprechen, wenn einem kritischen Artikel im gleichen Zeitraum 20 Beiträge gegenüberstehen, die vollkommen ohne jede faktische Grundlage Russland zu einer konkreten Gefahr für den Westen hochstilisieren.

Zurück zu dem Gastbeitrag von Jan Techau in der FAZ: Ich bezeichne die Aussagen von Techau aus zweierlei Gründen als krank. Erstens baut er seine Forderungen nach mehr militärischen Engagement Deutschlands auf einer nicht näher beschriebenen „Bedrohung der europäischen Stabilität von innen und außen“ auf. Doch der zuvor mit Horrormeldungen über die russische und islamistische Gefahr bombardierte Leser weiß genau, woher er die Bedrohung wahrnehmen soll. Russland mit seinem völlig unterlegenen Militär und seiner defensiven Haltung in seinen langjährigen Einflussgebieten wie die Ukraine und Syrien als Bedrohung zu konstruieren, gleicht indes einer Psychose. Und der islamistische Terror ist durch die von den USA, Großbritannien und Frankreich angeführten Angriffskriege auf arabische Staaten wie den Irak und Libyen nicht nur nachweislich gestärkt worden. Geschichtsbewusste Menschen wissen, dass der islamistische Terror auf der permanenten kriegerischen und geheimdienstlichen Einmischung westlicher Imperialstaaten in den muslimischen Ländern fußt. Wäre der Westen eine Person, müsste man bei ihm daher grundlose Paranoia diagnostizieren.

Auf dieser Paranoia aufbauend, folgert Techau, dass Kriege gegen die selbst geschaffene Bedrohung unvermeidlich sind und in Kriegen auch zivile Opfer zu beklagen sind. Was man also Russland bei seinen Einsätzen gegen die Terroristen der Al-Qaida in Syrien vorwirft, um das eigene militärische Engagement in dem Land zu rechtfertigen, wird bei den Angriffen des Westens als notwendiges Übel angesehen, bei dem man seine moralischen Bedenken ruhig einmal verdrängen sollte. Das ist der zweite Grund, warum ich den Beitrag in der FAZ für krank halte. Das Gewissen ist das entscheidende Merkmal, das uns Menschen von den Tieren unterscheidet. Techau fordert den Leser dazu auf, der Bestie in sich den freien Lauf zu lassen, wenn es um die angebliche Sicherheit der eigenen Wertegemeinschaft geht. Das ist krank. Richtig krank. Vor allen Dingen, wenn man sich der Tatsache bewusst ist, dass die Bedrohungslage künstlich erzeugt wird, um die wirtschaftlichen Interessen einer immer reicher werdenden westlichen Elite und ihren Hunger nach noch mehr Wachstum ihres Reichtums durchzusetzen.

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